Ein Vogelschwarm
liegt dir zu Füßen
klingt wie das Ende
klingt wie Ende
auf das alles zuläuft
keucht und hechelt
nach Luft schnappend
wenn die Luft schneidet und
die Lunge lichterloh brennt in
den bittersten Farben
eine Papierlaterne mit Wänden
dünn dass sie Feuer fangen die Löcher
im Dunkeln glühend die Ränder
voll Asche das Licht
entweicht in dicken Streifen
herausdringend in die Nacht
weit weit hinhaus in dieses Dunkel
Leuchtturmblicke die sengen
platzende Haut rau
unter den Fingern
keine
keine Abdrücke mehr
der Schein haftet wenn man
die Kuppen aneinanderreibt dass
sie glühen an die Nase führt
einsaugt das verbrannte Fleisch
es schmeckt
auf der Zunge schmeckt es anders
die Vögel ziehen gen Norden

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milk skin

white as milk you walk
into our house
your anger wrestling with
your sadness bristling
punching holes
into the walls and ceilings
breaking plaster crumbling
from its barren touch
i do not know how we can
live here any longer
or how we could leave
turning a new leaf onto itself
twisting time
wringing it clean of bleach
to teach us about the smell of
flowers shedding hours
like they shed s|kin

milk skin

FF

the wheel of life turning
shining light shaking
round and round
the black line goes
no beginning
no end
shining light shaking
the wheel of life turning
mother of pearl biting
angular teeth rending
hollow air
round and round
the black line goes
stop.

FF

III|IV

2. Zwischenspiel.

(Finster ist es. Finster bleibt es für lange Zeit. Stille. Stille ohne Sprechen, denn die Stille spricht. Die Stille sp – … Das müssen wir verhindern. Es wird langsam wieder Licht, wird helle. Der Text kommt von der Seite herein mit an die Brust gepresstem Klemmbrett. Geht wieder von der Bühne. Kommt mit einem Stuhl zurück. Stellt den Stuhl links oder rechts im goldenen Schnitt hin. Lässt die Arme hängen, betrachtet den Stuhl eine kleine Weile. Legt das Klemmbrett beiseite. Geht abermals von der Bühne. Kommt mit einem Cello zurück. Setzt sich und beginnt zu spielen: [ ]. Bleibt still sitzen, den Kopf gesenkt. Still, dass man den Raum atmen hören kann. Still, dass die Stille irgendwann wehtut. Licht aus, dann Schweigen)

III|IV

III|

3. Aufzug.

A. Wie süß der Klang der Stimme, wenn man lange nicht gesprochen hat. Vielleicht sollten wir das öfter machen, meinst du nicht? Uns ein wenig beschränken.

B. Aber das ist doch genau das, was dich dazu bewogen hat –

A. Papperlappapp. Schranken kann man nicht wiegen. Sonst wäre die Erde längst durch die Milchstraße gefallen und durch das, was dahinter ist.

B. Oder darunter.

A. Oder darüber. (Stille) Und dann hätten wir alle keine Zeit mehr oder viel zu viel davon.

B. Was im Endeffekt dasselbe wäre.

A. Stimmt. Oder sie wäre so dicht, dass man jemanden damit totschlagen könnte, anstatt die Zeit selber, so wie man das sonst eben so macht.

Text. Vielleicht.

B. Vielleicht. Musst du gar nicht weg von hier. Vielleicht …

A. Aber ich will. Und ich habe doch be-schlossen und ent-schieden. Mit Bindestrich.

B. Ja, aber gerade eben hast du wieder ein-geschränkt. (Pause) Vielleicht geht es ja, dass wir das, wo du hinwillst, hierher holen. Damit Hier gleichzeitig Dort ist. Oder vielleicht sogar … Stattdessen.

A. Dass Hier nur noch Dort ist?

B. Genau!

A. Aber was passiert dann mit Hier? Wenn das plötzlich Dort wird, dann hört es auf, Hier zu sein. Ich weiß nicht, ob ich in einem Gleichzeitig leben möchte. Oder gar in einem Stattdessen. Was wäre das dann noch? Noch ein Ort oder –

Text. Reingreifen.

B. (R-)Eingreifen in …

Text. den Raum, ihn …

B. ihn … nun …

Text. Formen mit den Händen. Das Hier und Dort glattstreichen, Stücke davon abreißen mit bloßen Fingern, dass man sie danach waschen möchte.

B. Reinwaschen.

Text. Reinwaschen vom Möglichen, die Hände schrubben, bürsten unter den Fingernägeln, bis sie wund sind vor lauter Minuten und Momenten, die ausarten in nichts als Teile.

B. Teile, die tropfen, sich sammeln, ballen, herunterfallen in Nichts, das wird, im Werden begriffen ist, immer nur begriffen im Begriff zu sein, im perpetuellen Noch-nicht-gewesen-sein-aber-gerade-Beginnen-zu –

A. Begreifen. Ich glaube, ich muss lernen, zu be-greifen.

B. Du glaubst?

A. Ja, ich glaube. Ich glaube an das wOrt und das dOrt und –

B. Aber hast du dann eine Religion?

A. Kann man denn nicht ohne Religion glauben?

Text. Nein.

B. Nein. Denn Religion heißt auflesen, festhalten, zugreifen und nicht be-greifen und zum Be-greifen müssen wir frei sein, los-lassen statt Propheten sein, aus-treiben das Göttliche, damit es allen gehört, l –

Text. Laut.

B. Laut aussprechen, laut, auf dass sich Himmel und Erde erbarmen vor unser lahmer Zunge, die nur noch Murmeln schiebt durchs müde Maul.

A. Sprechen müssen wir also?

Text. Sprechen.

B. Lobjauchzen.

Text. Sprechen.

B. Sprechen müssen wir, denn nur so können wir dienen. Gerecht werden, das Unsrige tun, auf dass es das Deine wird.

Text. Sprechen.

A. Aber – Aber – Ich – Ich wollte doch. Nicht mehr sprechen. Wir hatten doch ausgemacht, dass – (Licht aus mitten im Satz. Finster ist es)

III|