Fenster

Ein Staubkorn
das sich in einem Lichtstrahl windet
der durch ein zerbrochenes Fenster fällt

Weben

Ich webe
aus dem Nachtlicht einen Faden
und umschlinge mit ihm den Fensterrahmen
bis er bricht

Splitter

Holzsplitter und Lichtsplitter
Holzsplitter und Lichtsplitter

Fenster

Undead Romance

The story was simple enough: they were dead, both of them and they couldn’t find rest.

One night, a few days after she had arrived on a Saturday, they had seen each other from their respective side of the graveyard, for the graveyard was divided into two pieces by a river.

As we know, the (un)dead can’t cross running water, so they were stuck, sort of.

They could stand in front of the wooden bridge connecting the two halves of the graveyard and call out to each other without being able to reach the other. They would lead the most astounding of conversations, about life and unlife, death and undeath, the afterlife and well, afterdeath, oh, and how to keep away the bloody maggots when you went to sleep throughout the day, of course. Her fingers were itching to touch him (but maybe that was simply due to the mud underneath her fingernails, which stuck quite fiercely to her fingers, as she had to dig her way out of her grave every night – you can’t even image what a bother it is to get back into your coffin, and have it look like you didn’t leave at all, all while climbing back inside of that damn uncomfy box – phew).

So it seemed, that they had finally found in (un)death what they weren’t able to find in life, namely each other, but how did one get on about the let’s call them spacial difficulties?

There wouldn’t be any problem at all, but for the unwritten rule (which you shouldn’t take too literally, as somewhere someone surely has written it down at some point) that they weren’t to leave the graveyard grounds they were buried in, otherwise they could simply slip out through the gate to meet each other.

That way they had to work with the means at hand. Their first idea was the following: just raise the whole (undead) neighbourhood to haunt the place and then to deliver their demands, i.e. to make them redirect or fill up the river or whatever, an undead sit-in, or rather haunt-in, if you will. But that idea was scrapped after rolling it around for a bit and tentatively prodding it with a stick in their heads, because the prospect of a bunch of exorcists with flamethrowers to purge the shit out of them all frightened them – a bit. When they had nearly went through all of the possibilities that came to their mind, she had an idea that might just work.

What if they would simply shift a bit of the ground they were buried in, instead of themselves? With the help of an architect (at least that’s what he called himself, having worked as a janitor in the architecture department of the local university does seem to qualify you for that sort of job) they devised a cunning construction to finally bridge the ghastly river.

With a little help from some others her coffin was excavated, dragged across half of the graveyard (the drag marks would surely make for a nice surprise for the cemetery warden) and dumped across the river. After making the vernier adjustments according to the instructions of the architect, her grave was sealed and the empty coffin filled with earth, of which she kept a handful in her pocket – just to be on the safe side, as you never know with those written or unwritten rules and stuff. When they had finished, she took a deep breath – still just a bad habit from being alive – and set her foot onto the soft earth in her coffin. She giggled because of how her bare feet sank into the mud and dancingly crossed the river – though she could’ve saved the pirouette at the end, but you know what women are like – into her lovers outstretched arms.

From that day on they lived, or rather were dead, together ever after and if someone would try to exhume his body for some dubious reason someday in the future, he wouldn’t only find his remains in his grave, but the bones of two people in there clasping each other tightly.

Undead Romance

Ich möchte mein Herz herausreißen aus meiner Brust
und darauf rumtrampeln,
bis alles Licht herausgespritzt ist.
Das Loch fülle ich mit Steinen.

Ich möchte meine Zunge herauszerren aus meinem Mund
und sie auf den Boden schleudern,
wo sich sich windet wie eine Schlange.
Die Leere fülle ich mit Stille.

Ich schneide dich heraus aus mir,
und werfe das vertrocknete Fleisch hinweg.
Den Raum fülle ich mit Worten.

Aside

Treeheart

Ich zog meinen Ärmel zurück,
und legte die Hand auf die Rinde,
unter der dein Herz schlug.

Es ist zugegebenermaßen etwas schwierig,
eine Beziehung mit einer Frau zu führen,
die ein Baum ist,
aber was tut man nicht alles aus Liebe.

Zumal erschwerend hinzu kommt,
dass ich sie nicht einmal gefahrlos berühren kann.
Immer, wenn ich meine Finger an ihren Stamm oder ihre Äste presse,
beginnen das Holz und die Rinde zu verkohlen,
innerhalb kürzester Zeit durchzuglühen,
sodass mir weiße Asche an den Fingern klebt,
die ich auf meinen Lippen verschmiere.

Am Anfang habe ich mich gar nicht mehr getraut, sie anzufassen,
habe vor Scham mit dem Rücken zu ihr gewandt
und den Armen um meine Knie vor- und zurückgewippt,
während ihre Blätter mir im Wind Trost zurauschten.

Ich habe sie danach eine Woche lang nicht berührt.
Mittlerweile haben wir beide gelernt, damit umzugehen,
sie mehr als ich.
Aber was tut man nicht alles aus Liebe…?

Treeheart

Perlmutt

Was ich gesagt habe:

Vielleicht sollten wir einfach dort mit unseren Leben weitermachen, wo wir damit aufgehört haben, als wir uns überhaupt kennengelernt haben, uns zwar nicht vergessen, aber als immaterielle liebe Erinnerung in eine gepflegte, schön ausdekorierte Ecke unseres Herzens kehren, ausgeschmückt mit warmen Tönen, dem ein oder anderen netten Gedanken, der sich ab und an in diese Ecke verirrt und sie sanft in Perlmut schimmernd erhellt, und einem Bröselchen von sich selbst, damit es nicht einsam dort ist. Eine Ecke, in der man sich zusammenkauern kann, die Augen schließen und bis irgendwann als Gast schlafen kann. Was danach passiert, ist erst einmal von nicht allzu großer Bedeutung, jedoch die Möglichkeit, die potentiell dahintersteckt, nachdem wir, wie du sagtest, “flügge geworden” sind. Bis dahin wirst du wahrscheinlich sowieso schon jemanden gefunden und mich vergessen haben, aber es ist ein schönes Bild und es hört sich hübsch an, wenn ich das hier so schreibe und irgendetwas muss ich ja schreiben, um dir wenigstens irgendetwas von mir geben zu können, was dir gehört, auch wenn es nur verkleidete Einsen und Nullen sind (denn alles, was ich dir geben kann, sind Worte und Gedanken, manchmal das eine in das andere gekleidet). Ob der Gast nach dieser Zeit, oder dann schon besser gesagt Untermieter, mit einem beherzten Händeschütteln nach Hause geschickt wird, oder eingeladen wird, doch noch ein wenig länger zu bleiben und von seiner Ecke auf die Couch umziehen darf, ist momentan nicht von Belang und wird es vielleicht auch später nicht sein, aber die Geste zählt, weil es mir zumindest so vorkommt, dass sie etwas bedeutet.

Was ich irgendwann einmal gesagt hätte:

Es war einmal ein Mädchen, das in einem Herz lebte. Der Teil, in dem sie wohnte, lag zwar etwas abgeschieden von der übrigen hektischen Bewegung in den verschiedenen Gängen und Zimmern des Herzens, aber es war abgenehm ruhig dort, denn die Zeit floss nur träge vor sich hin. Hätte man inne gehalten und die Augen angestrengt zusammengekniffen, so hätte man möglicherweise sogar sehen können, in was für langsamen Wellen die Zeit gegen die Wände ihres Zimmers brandete, wie die Wellen immer wieder in sich zurückfielen und sich selbst verschlangen. Das Zimmerchen war klein aber gemütlich, ausdekoriert mit warmen Tönen, die unablässig ineinanderflossen und das Mädchen einlullten und mit liebevollen Gedanken, die den Raum perlmutfarben erhellten. Das Mädchen schlief gerade, zusammengerollt in einem alten Ohrensessel, wie sie heutzutage keiner mehr herstellt, denn das braucht Zeit und Hingabe, wie sie selten geworden ist. Der Sessel stand vor einem kleinen verschnörkelten Kamin, in dem Kohlen glühten von der Farbe des Sonnenaufganges, des Sonnenunterganges und von der Farbe des Abendssterns und baten im ganzen Raum die Schatten zum verschlungenen, innigen Tanze. Sie tanzen leichten Fußes über die Armlehnen des Sessels, die Wände und das Gesicht des Mädchens, umkreisten ihre Augen und fuhren die Ränder ihres Gesichtes entlang, wie um es nachzumalen. Einer der Schatten glitt gerade vorsichtig von ihren Wimpern und zu ihren Lippen hinunter, die sie von ihm gekitzelt im Schlafe zu einem Lächeln verzog.
Manchmal wachte das Mädchen auf, streckte sich, genoss das Gefühl der an ihr hochkriechenden Wärme, wenn sie vor dem Kamin stand. Sie ging barfuß zu der Zimmertür, die noch ein altes Schloss zierte und drückte die geschwungene Klinke hinunter, um mit einem Auge durch den Spalt in den Flur zu spähen. Während ihrer Zeit in dem Herz sah sie viele Dinge durch den Türspalt, einige blieben länger, einige kamen immer wieder, und andere huschten nur ganz kurz vorbei, halb durchsichtige Fetzen, wie Geister, ohne dass ihre Füße jemals den Boden berührten. Egal wieviel sie auf den Gängen sah, sie wusste immer, dass niemand sich in ihr Zimmer hineinwagen würde und selbst wenn es jemand versuchen würde, das Herz niemanden hineinließe, denn dieser besondere Ort gehörte ihr alleine, weil es ihr jemand versprochen hatte und Versprechen, die in einem Herzen geschlossen werden, bricht man nicht. Das Mädchen wartete, so wie das Herz auch auf sie wartete. Wenn sie fühlte, wie sich ihr Brustkorb zusammendrückte und nach oben hin immer enger zu werden schien, bis die Einsamkeit sich wie ein Klumpen in ihrem Hals sammelte und sie innerlich zu ertrinken drohte, dann lehnte sie sich gegen eine Wand ihres Zimmers, legte die Handfläche darauf, presste ein Ohr gegen die Wand und lauschte. In diesen Momenten merkte sie, dass das Herz sie hörte, so wie sie selbst es gerade hörte, und dass es immer noch schlug, damit sie hörte, dass es für sie schlug. Trotz allem. Trotz allem noch für sie schlug. Für sie. Sie. Sie… Sie… Sie… Sie… Sie… Sie.

Perlmutt