Anweisungen

„Du bist Hjartiom? Komm rein, komm rein!“. Er streckte freundlich lächelnd die Hand aus, die Hjartiom ein wenig unsicher lächelnd ergriff und nach kurzer Überlegung herzlich schüttelte.“Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, bist zwar neu hier, aber viele Sachen werden dir bekannt vorkommen, also glaub ich, dass du den Dreh schnell raushaben wirst.“ Bevor Hjartiom den Mund halb zum Sprechen geöffnet hatte, fügte er noch schnell hinzu: „Weißt du, lassen wir die Formalitäten beiseite, wir sind jetzt schließlich Kollegen, nenn’ mich einfach Serzej!“, klatschte einmal beherzt in die Hände, rieb sie kurz aneinander und presste ein vorfreudiges „Ahh!“ hervor.
„Gut, schau her, ich zeig dir erst einmal die etwas älteren Teile, damit du ein Gefühl für die Sache bekommst – ein Gefühl, verstehst du?“, er lachte, „und wie sie funktioniert“. Er nahm eins der Geräte aus dem Regal an der Wand zu seiner Rechten. „Da, schau, ein wenig angestaubt“, er pustete kurz durch die Streben, „aber noch völlig in Ordnung. Die Dinger von früher halten ewig, nicht so wie der neumodische Kram“, rümpfte die Nase wegen dem umherfliegenden Staub und stützte das Gebilde von unten mit seiner Linken, damit es Hjarti besser sehen konnte. Mit der Rechten öffnete er ein handgroßes Türchen an der sich rund um sich selbst wölbenden Seite des Geräts. „So, und jetzt pass auf, schau auf meinen Schatten“, Serzej nickte Richtung Boden. Hjarti konnte beobachten, wie Serzejs Schatten auf den Fließen unter ihnen in seine Schattenbrust griff und etwas, nachdem er es herausgezogen hatte, in den Schatten des Geräts stopfte, wo das Türchen geöffnet worden war. Gleich darauf erfüllte ein tiefrotes Leuchten Hjartioms Blickfeld, woraufhin er seinen Kollegen sagen hörte: „Kannst jetzt wieder hochgucken, aber nicht direkt reinschauen bitte, “Vorsicht am Arbeitsplatz und sowas“. „Schaltest du kurz mal das Licht aus? Der kleine Schalter da neben der Tür. Genau, danke“. Er drehte sich zu einer leeren Stelle der Wand, wo eine abgerollte Leinwand hing, dann tippte er an den Apparat in seiner Hand. Es ertönte ein Geräusch wie von einem Filmprojektor und es wurden Bilder an der Wand sichtbar, erst verschwommen, dann immer deutlicher. „Siehst du? Das da ist meine Frau, oh, und das da ist mein jüngster Sohn, da waren wir grad im Urlaub, am Meer. Was für eine schöne Erinnerung…“, er seufzte zufrieden. Einige Zeit noch sahen sie den Bildern an der Wand zu, Serzej tippte wieder an das Gerät – „So, dass dürfte für’s Erste reichen, damit du einen Eindruck bekommst“, dann ertönte ein neues Geräusch, Hjartiom erinnerte es frappierend an den Laut, wenn eine abgelaufene Filmrolle rumflappert, sobald der Film aus ist. „Das?“, Serzej grinste ihn an „Ist nur Herzklappenflimmern, nichts besonderes, passiert eigentlich immer am Ende. Schau mal bitte wieder auf den Boden. Danke“. Er führte die Prozedur von vorhin wieder aus, diesmal nur rückwärts, stellte den Apparat wieder in das Regal und klopfte Hjarti auf die Schulter. „siehst du, war doch gar nicht so schwer, was? Komm, wir gehen Mittagspause machen“.

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Anweisungen

türen

Immer, wenn du bei Regen vor meiner Tür gestanden warst, da habe ich dich reingelassen.
Hinein in mein Haus, mein Haus aus von Hand einzeln aufeinander gestapelten Steinen, dem nach Holz riechenden Gebälk. An meinen Kamin, in dem ein Feuer brennt, das ich allein instand halte, damit sich jemand daran wärmen kann, damit du dich daran wärmen kannst, denn sonst kommt ja niemand an meine Tür. Außer dir. Ich halte das Feuer am Brennen – trotz allem – werfe Holzscheite hinein; wenn sie alle sind, dann nähre ich es mit Stücken von mir selbst: zuerst meine Kleidung, bis ich nackt bin – so, wie du mich sehen kannst – dann meine Haare, die sich kräuseln und verglühen. Wenn nichts mehr übrig ist, dann mich selbst, mein Herz brennt gut. Es hatte genug Zeit, um zu Kohle zu werden, aber es brennt gut, gerade deswegen wahrscheinlich.

Aber wenn ich an deine Tür klopfe, dann bleibt sie zu und die Pfützen strecken sich nach unten und das Wasser steigt mir bis zu den Wimpern, bis es mich ganz bedeckt, damit sich meine Haare unendlich langsam in der Strömung wiegen können, wie deine Finger in meinen Haaren sich anfühlen würden, wenn sie jemals reingegriffen hätten.

Irgendwann fließt das Wasser jedoch ab und meine Tür bleibt fortan verschlossen.

türen