Wie der Augenblick, in dem man angespannt auf den ersten Ton eines Orchesters wartet, das jedoch niemals zu spielen beginnt.

Man ist schön angezogen, hat sich rausgeputzt, das Hemd aus dem Schrank geholt, die Krawatte, passend dazu schwarze Schuhe und das Schurwolljacket mit so gut wie keinem Polyesteranteil, frisch aus der Reinigung. Man hat sich gesetzt, die Haare ordentlich gekämmt, sitzt da in diesem großen Saal, der Boden feines Holzparkett, über den zwischen elegant geschwungenen Stuhlbeinen etliche ähnlich beschuhte Fuße scharren, erwartungsvoll, nervös (für manche ist es das erste Mal, dass sie sich vor anderen Menschen an klassische Musik trauen). Man sitzt, vor Einem die Musiker, die ihre Instrumente stimmen, sie glattpolieren, liebkosen – intime Momente, bei denen man sich schämt zuzusehen. Endlich sind alle da (die Zuspätgekommenen werden mit bösen Blicken bedacht, wenn sie sich mit leisen Schritten viel zu laut versuchen später hereinzuschleichen), das Licht wird gedimmt, Augäpfel und Brillengläser blitzen gleichermaßen gespannt in Richtung der Bühne auf, man ballt unwillkürlich die Hände, atmet ein, hält die Luft an. Die Bögen werden gehoben, die Finger gespannt, die Schlägel gehoben.

Und es passiert

nichts.

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