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3. Aufzug.

A. Wie süß der Klang der Stimme, wenn man lange nicht gesprochen hat. Vielleicht sollten wir das öfter machen, meinst du nicht? Uns ein wenig beschränken.

B. Aber das ist doch genau das, was dich dazu bewogen hat –

A. Papperlappapp. Schranken kann man nicht wiegen. Sonst wäre die Erde längst durch die Milchstraße gefallen und durch das, was dahinter ist.

B. Oder darunter.

A. Oder darüber. (Stille) Und dann hätten wir alle keine Zeit mehr oder viel zu viel davon.

B. Was im Endeffekt dasselbe wäre.

A. Stimmt. Oder sie wäre so dicht, dass man jemanden damit totschlagen könnte, anstatt die Zeit selber, so wie man das sonst eben so macht.

Text. Vielleicht.

B. Vielleicht. Musst du gar nicht weg von hier. Vielleicht …

A. Aber ich will. Und ich habe doch be-schlossen und ent-schieden. Mit Bindestrich.

B. Ja, aber gerade eben hast du wieder ein-geschränkt. (Pause) Vielleicht geht es ja, dass wir das, wo du hinwillst, hierher holen. Damit Hier gleichzeitig Dort ist. Oder vielleicht sogar … Stattdessen.

A. Dass Hier nur noch Dort ist?

B. Genau!

A. Aber was passiert dann mit Hier? Wenn das plötzlich Dort wird, dann hört es auf, Hier zu sein. Ich weiß nicht, ob ich in einem Gleichzeitig leben möchte. Oder gar in einem Stattdessen. Was wäre das dann noch? Noch ein Ort oder –

Text. Reingreifen.

B. (R-)Eingreifen in …

Text. den Raum, ihn …

B. ihn … nun …

Text. Formen mit den Händen. Das Hier und Dort glattstreichen, Stücke davon abreißen mit bloßen Fingern, dass man sie danach waschen möchte.

B. Reinwaschen.

Text. Reinwaschen vom Möglichen, die Hände schrubben, bürsten unter den Fingernägeln, bis sie wund sind vor lauter Minuten und Momenten, die ausarten in nichts als Teile.

B. Teile, die tropfen, sich sammeln, ballen, herunterfallen in Nichts, das wird, im Werden begriffen ist, immer nur begriffen im Begriff zu sein, im perpetuellen Noch-nicht-gewesen-sein-aber-gerade-Beginnen-zu –

A. Begreifen. Ich glaube, ich muss lernen, zu be-greifen.

B. Du glaubst?

A. Ja, ich glaube. Ich glaube an das wOrt und das dOrt und –

B. Aber hast du dann eine Religion?

A. Kann man denn nicht ohne Religion glauben?

Text. Nein.

B. Nein. Denn Religion heißt auflesen, festhalten, zugreifen und nicht be-greifen und zum Be-greifen müssen wir frei sein, los-lassen statt Propheten sein, aus-treiben das Göttliche, damit es allen gehört, l –

Text. Laut.

B. Laut aussprechen, laut, auf dass sich Himmel und Erde erbarmen vor unser lahmer Zunge, die nur noch Murmeln schiebt durchs müde Maul.

A. Sprechen müssen wir also?

Text. Sprechen.

B. Lobjauchzen.

Text. Sprechen.

B. Sprechen müssen wir, denn nur so können wir dienen. Gerecht werden, das Unsrige tun, auf dass es das Deine wird.

Text. Sprechen.

A. Aber – Aber – Ich – Ich wollte doch. Nicht mehr sprechen. Wir hatten doch ausgemacht, dass – (Licht aus mitten im Satz. Finster ist es)

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